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[05.05.2019] FSG Lausanne-Ville/Cugy – Damen

FSG Lausanne-Ville/Cugy – BSG Vorderland 25:25 (13:14)

Was lange währt, wird endlich gut

In zwei umkämpften Spielen gegen einen ebenbürtigen Gegner aus der Westschweiz erreichen die Damen der BSG Vorderland in einem an Dramatik kaum zu überbietendem Spiel den seit drei Jahren angestrebten Platz in der 2. Liga.

Vorgeschichte

Nach dem Abstieg aus der 2. Liga in der Saison 15/16 folgten drei Saisons in der 3. Liga. In der Saison 16/17 verlor man nach 12 Spielen ohne Niederlage das entscheidende Spiel gegen den 6. Platzierten HC Bruggen und verpasste die Aufstiegsspiele. In der Saison darauf erreichten die Damen mit nur 2 Niederlagen als Zweitplatzierte die Aufstiegsrunde, wo sie auf den HV Suhrental, den TV Oberwil und den HC Goldach/Rorschach trafen. Nach zwei Siegen gegen Suhrental und Oberwil ging das Spiel gegen den nachmaligen Aufsteiger HC GoRo verloren.

In der aktuellen Saison 18/19 qualifizierten sich die Damen mit dem ersten Rang in der Hauptrunde der Gruppe 1 und nur einer Niederlage gegen den HC Rheintal für die Finalrunde, in welcher sie hinter TV Appenzell den 2. Rang belegten. Dieser zweite Platz bedeutete die Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur 2. Liga.

Auf die Saison 18/19 wurde der Aufstiegs-Modus durch den Verband geändert. So mussten die Zweitplatzierten jeder Gruppe gegen einen Erstplatzierten einer anderen Gruppe ein Hin- und Rückspiel bestreiten. Die BSG Vorderland wurde dem 1. der Gruppe 6, FSG Lausanne-Ville/Cugy zugelost. Die Westschweizerinnen legten mit 16 Siegen, 1 Unentschieden und 2 Niederlagen (+181 Tore) eine beachtliche Saison hin. Die BSG gewann 15 Spiele, spielte 1 mal unentschieden und verlor 4 Spiele (+79 Tore).

Mission Aufstieg

Nach der ersten Begegnung vom 28.05. die von den Vorderländerinnen knapp mit 27:26 gewonnen wurde, war allen klar, dass es eine schwierige Partie fern der Heimat wird. Um 09.00 Uhr begann der Countdown zur Mission Aufstieg.

Das Wetter (25 cm Neuschnee!!) beeinflusste die gute Stimmung im Bus der Rheintalreisen in keiner Weise. Die Stimmung war locker und hie und da wurde das letzte Spiel besprochen. In Lausanne angekommen, konnten die BSG-lerinnen miterleben, wie das Aufstiegsspiel der Juniorinnen U16 von Lausanne verloren ging. Ein Vorzeichen?

Punkt 16.00 Uhr startete die Partie. Es war von Beginn an ein offener Schlagabtausch. Durch das Studieren des Filmes, der dank Stephan Rothenbergers Einsatz am Heimspiel gemacht wurde, war kein Abtasten der Gäste zu spüren. In den letzten zwei Trainings hatten sie diverse Möglichkeiten geprobt, um vorbereitet zu sein.

Startete man in Heiden noch mit einer eher offensiv ausgelegten Verteidigung, wurde in Lausanne mit einem 6:0 mit Pressing auf die Spielmacherin Wittmann des FSG eröffnet. Wie im Heimspiel eröffneten die Vorderländerinnen das Toreschiessen und gingen nach 23 Sekunden mit einem Tor von Rothenberger in Führung. Ab der 4. Minute lag man dann aber mit einem Tor im Rückstand (3:2). Dank einer beherzten Verteidigungsarbeit und schnellen Auslösungen konnte Lausanne aber nie mehr als 2 Tore Vorsprung herausholen. 4 Minuten vor der Pause bei einem Stand von 12:11 nahmen die Vorderländerinnen das Team Time-Out. Viel zu sagen gab es nicht, 2 Ideen besprochen und weiter ging es. Der erste Angriff ging nicht auf und es folgte das 13:11. Dann aber kamen die 3 Minuten der Gäste. Rothenberger, P. Graf und Dietz bescherten den Gästen die 13:14 Führung nach 27 Minuten und 20 Sekunden und erst noch 2 Sekunden vor der Pause.

Schwerpunkt in der Pause war, den Start nach Wiederanpfiff nicht zu verschlafen. In der Heimpartie konnte man den Vorsprung von 3 Toren nicht halten und lag nach 10 Minuten plötzlich im Rückstand. Gleich nach Anpfiff spielten die Westschweizerinnen eine doppelte Fraudeckung auf Kellenberger und Rothenberger. Darauf hatte man gewartet und sich auch vorbereitet. Man entschied sich die Kreisspielerin als Aufbauerin spielen zu lassen, um mit 4:4 und weites Stehen die Schnittstellen in der Verteidigung zu öffnen. Zudem kreuzte Kellenberger immer wieder diagonal vor der Verteidigung und machte die Abstände der Westschweizerinnen noch grösser, was zu Toren führte.

Ab der 35. Minute bekamen die Appenzellerinnen zusätzlich zu spüren, dass es ein Auswärtsspiel war. Wurde vor dem eigenen Tor ein normal hartes Abwehren mit einem Penalty und einer 2-Minuten Zeitstrafe untermauert, bekamen sie für das gleiche Verdikt vor dem Tor der Lausannerinnen lediglich einen Freistoss zugesprochen. Die Betreuer versuchten über diesem Umstand zu stehen, was dann aber in der 41. Minute nicht mehr funktionierte. Auf die Bemerkung eines der Coaches kam sofort die gelbe Karte, und die nachfolgende Reaktion führte dann zu einer 2-Minutenstrafe gegen die Bank. Anstatt die Situation zu beruhigen provozierte der "Unparteiische" mit einer klaren Geste und Worten den Bestraften: "Er solle nur weitermachen", was dieser aber besonnenerweise nicht tat.

In dieser Phase des Spieles zeigten die Spielerinnen Grösse, haderten nicht mit den Entscheiden des Schiedsrichters, hielten an den besprochenen Ideen fest und konzentrierten sich auf das wesentliche, nämlich das Handball spielen. Und das gelang ihnen auch. 

In der 48. Minute erzielten die Lausannerinnen zwar den ersten 3-Tore Vorsprung. Aber wiederum konnten die Vorderländerinnen dagegenhalten und erzielten innert 3 Minuten den Ausgleich. Wiederum waren es drei verschiedene Spielerinnen, was die Diversität der Torschützen des Teams unterstreicht.

Zwischen der 52. und der 55. Minute hielten beide Torhüterinnen ihren Kasten sauber. Dies lag aber auch an einer wahren Fehlerorgie auf beiden Seiten. Nicht weniger als 8 technische Fehler unterliefen den Spielerinnen. Und doch muss die Verteidigungsleistung der Vorderländerinnen hervorgehoben werden. Spielten sie doch in dieser heiklen Phase in Unterzahl. 4 Sekunden nach dieser Phase erzielte die Grandame auf Vorderländer Seite ihr erstes und letztes aber auch wichtigstes Tor in diesem Spiel zum 23:24.

Die Führung hielt nicht lange; das 24:24 fiel 20 Sekunden später. Aufgrund des einseitig ausgelegten Regelwerks des Unparteiischen traute sich niemand mehr so richtig und so konnte der Gastgeber den Führungstreffer zum 25:24 erzielen. Alles vorbei? Wir mussten mindestens ein Unentschieden erreichen oder durften maximal mit 27:26 verlieren. Im Handball auf ein Unentschieden zu spielen ist keine Option. Also musste was her. Was sich in den letzten 45 Sekunden abspielte, war ein wahrer Krimi. Team Time-Out der Vorderländerinnen. Durchatmen und sammeln war jetzt angesagt. Allen war klar, dass ein Tor her muss, aber wer???

Lausanne machte auf und sie spielten 1:1. Sie mussten ein Tor verhindern, wir mussten ein Tor machen, was Petra Graf 38 Sekunden vor Schluss gelang 25:25. Wieder lag der Ball bei Lausanne. Die Batterien waren auf beiden Seiten leer und so kam es wie es kommen musste: eine Vorderländerin war zu spät, um den verzweifelten Durchbruchsversuch einer FSG Spielerin zu verhindern … 7-Meter ... Nun machten die Lausannerinnen ihre wohl grössten zwei Fehler. Der erste, sie liessen nicht die Spielerin schiessen, die in Heiden alle 7-Meter verwertet hatte, sondern eine Spielerin, die in diesem Spiel schon einen 7-Meter verschossen hatte. Und der zweite Fehler war, unsere Torhüterin zu unterschätzen. Um es kurz zu machen, es blieb beim 25:25 da S. Graf in ihrem letzten Spiel für die BSG Vorderland den wichtigen 7-Meter hielt und der Ball bis zum Abpfiff nicht mehr in die Hände der Gegnerinnen fiel.

Autor: Hansi Hohl

PS

Die Damen wurden von folgenden Spielerinnen in die 2. Liga getragen:
Sandra Graf, Dani Pereira, Michi Künzler; Miri Bänziger, Gioia Bolter, Sophie Breitenmoser, Mara Brosch, Desi Büchel, Anna Dietz, Silja Gasser, Patra Graf, Marlen "Mamme" Graf, Kaltrina "Pocahontas" Hajdaraj, Nadine Heil, Cassandra Hemmerich, Michelle Judas, Malina Kellenberger, Patricia Knupp, Lynn Merz, Aida Mujkic, Sara Niedermayer, Yasi Oehy, Dani Pointner, JU(lia) Rothenberger, Saskia Sieber

Und von folgenden Coaches unterstützt:
Simei Künzler, Stephan Rothenberger, Marco Gasser und Hansi Hohl

Ein paar Zahlenspielereien zum Schluss

Gemessen an der Zeit war Lausanne während 36 Minuten und 20 Sekunden mit einem Bein in der 2. Liga. Am Ende aber zählt das Resultat nach Abpfiff des Spiels und da standen wir mit beiden Beinen in der 2. Liga.

Diese Saison haben wir 79'200 Sekunden Handball zelebriert und brauchten am Ende gerade mal 8 Sekunden, um weiterzukommen.

Saison-Statistik

Tore553 : 473
7-Meter54  (Wovon unser Penalty-Monschter Petra 25 Stück beigesteuert hat)
Zeitstrafen39
Rot2 (Sophie die rote und Mara die rote, sind aber keine Wikingerinnen)
Zuschauer1206 (was einen Schnitt von 109 pro Spiel ausmacht und ich habe immer "ALLES" gezählt)